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Ein Daimler für Afrika
Altes Piumer Feuerwehrfahrzeug wird demnächst in Ghanas Hauptstadt Accra erneut in Dienst gestellt
Borgholzhausen (WB). Ausgemustert aber noch lange nicht im Ruhestand ist das alte Feuerwehrfahrzeug des Löschzugs Borgholzhausen-Stadt. Hierzulande wird das alte Schätzchen zwar zu keinem Einsatz mehr ausrücken, im fernen Ghana allerdings sind die Dienste des knallroten Gefährts gefragt.
Von 1979 bis 2011 ist der rote Daimler mit der Typenbezeichnung LAF (Lösch-Allrad-Fahrzeug) 9-11-B über Borgholzhausens Straßen gerollt. An zahlreichen Einsätzen war der 5,2-Tonner seither beteiligt. »Da stecken viele Erinnerungen drin«, sagt Hauptbrandmeister Michael Schlenz. Für den aktiven Dienst in Deutschland ist das in die Jahre gekommene Gefährt allerdings nicht mehr geeignet, ein moderneres Feuerwehrauto musste her. Schlenz: »Als dann die letzte Fahrt angekündigt wurde, waren viele Kameraden schon etwas traurig.«
Einfach in der Garage verrotten lassen wollten die Piumer Blauröcke das alte Schätzchen allerdings nicht. »Es sollte verkauft werden, damit wir mit den Einnahmen das Stadtsäckel etwas entlasten können«, so Schlenz. Mit ins Boot holte er zudem Manfred Warias von der Stadtverwaltung. Die Männer überlegten, den Verkauf über Internetportale abzuwickeln. Zunächst wurde ein Profil des Autos allerdings auf der Homepages der Kommune und der Feuerwehr eingestellt. Kurz darauf meldeten sich bereits die ersten Interessenten. Um ein größtmögliches Kapital aus dem Verkauf zu schlagen, wurde ein Bieterverfahren ausgerufen. »Wer bis zum 15. Januar das beste Angebot abgibt, sollte den Zuschlag erhalten«, erklärt Michael Schlenz das angedachte Prozedere.
Vor allem Liebhaber wollten den knallroten Daimler gerne in ihrem Fuhrpark sehen. Das höchste Gebot aber reichte schließlich Ralph Linck aus Puhlheim in der Nähe von Köln ein. Im Gegensatz zu den übrigen Interessenten wollte der Rheinländer das ausgediente Gefährt aber keineswegs für sich behalten. Der Inhaber der Firma »Office Tools« kauft – zumeist im Kundenauftrag – Baumaschinen, Krankenhausausstattung sowie Werkzeug, das in Deutschland aufgrund gesetzlicher Richtlinien nicht mehr eingesetzt werden darf. »Beispielsweise in Afrika kommen diese Geräte dann wieder zum Einsatz«, sagt der findige Unternehmer.
Das umgerüstete Piumer Löschfahrzeug hat er für einen hohen vierstelligen Betrag für ein ghanaisches Unternehmen erworben. In dem westafrikanischen Staat wird das robuste Auto demnächst über die Straßen der Hauptstadt Accra rollen und weiterhin im Dienst der Feuerwehr stehen. »Die Wege in Ghana sind oftmals schlecht befestigt. Daher war es meinen Kunden wichtig, ein Allradfahrzeug zu erwerben. Außerdem werden dort noch Ersatzteile für so alte Autos gefertigt, die hier bei uns kaum noch zu bekommen sind«, betont Ralph Linck und nimmt aus den Händen von Manfred Warias Schlüssel und Papiere entgegen. Dieser ist zufrieden mit dem weiteren Werdegang des Oldtimers. »Es ist doch toll, wenn das Auto noch einen Zweck erfüllt. Noch besser ist natürlich, dass es weiterhin ein Feuerwehrfahrzeug bleiben darf« sagt Warias und blickt dem Daimler wehmütig nach, als dieser den Hof der Feuerwache gen Afrika verlässt.
Quelle: WESTFALEN-BLATT
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WESTFALEN-BLATT
v.16.02.2012
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